Gefährliche Seegebiete
Die Piratentätigkeit in den hier
beschrieben Seegebiete unterliegt neuesten Informationen. Schnell
kann sich eine Situation zum Guten wie zum Schlechten ändern.
Deshalb ist es besonders ratsam, sich vorher genauestens zu informieren.
Am besten, wenn das über mehrere Quellen geschieht: Konsulate,
Auswärtiges Amt, Reiseorganisationen, Cruising Clubs und besonders
wichtig über Funk bei anderen Seglern oder Amateurfunknetzen.
Oft wird die kriminelle Szene eines
Gebietes nur durch einen Anführer und seine Bande bestimmt.
Ist diese gefangen, stellt sich das Problem nicht mehr. Durch
Banden kann ein ganzes Gebiet (z.B. Rio Dulce, Guatemala) in negative
Schlagzeilen geraten.
Ein anderer wunder Punkt kann Alkohol
sein. Besonders Einheimischen aus der Dritten Welt sollte kein
Alkohol an Bord angeboten werden, man selbst sollte auch nicht
in ihrem Umfeld trinken.
Drogen ist ein weiteres Problem.
Einige Überfallene, besonders in Mittelamerika, berichteten,
dass die Piraten offensichtlich unter Drogeneinwirkungen standen.
Europa
Die Seegebiete Europas gelten als
piratenfrei.
Kapverdischen Inseln
Zu die Republik Kap Verde fliehen
viele Afrikaner. Mittellos kommen sie an und sehen in Raubzügen
auf Yachten eine gute Möglichkeit, sich zu bereichern oder gar
mit der Yacht zu verschwinden. Man sollte sich also immer nach
der aktuellen Lage auf den einzelnen Inseln erkundigen - diese
kann sehr unterschiedlich sein.
Brasilien
Hier findet man beide Arten von
Piraterie: organisierte Banden, sowie spontane Überfälle durch
verarmte Küstenbewohner. Brasilien ist mit Somalia das Land, in
dem Piraten sowohl Berufsschiffe als auch Yachten überfallen.
Wie der Fall Sir Peter Blake zeigt, werden auch Yachten überfallen,
wenn diese, wie die SEAMASTER Blakes, mit 36 Meter Länge die Dimension
eines Berufsschiffes hat. So wurden im Amazonasgebiet eine französische
26 Meter lange Jongert überfallen und eine deutsche Megayacht
eines Hamburger Eigners. Auf beiden Schiffen waren professionelle
Crews an Bord, die sich nicht gewehrt haben. Beide Schiff wurden
ausgeraubt. Brasilien hat eine sehr lange Küste mit Hunderten
von Buchten und Inseln. Die meisten Regionen gelten als piratenfrei.
Für die gefährlichen Gebiete gibt es keine exakten lokalen Schwerpunkte.
Allerdings sind in der Bucht von Santos und im weiten Gebiet des
Amazonasdeltas Piraten häufiger als anderswo zu treffen.
Venezuela
Dieses Land hat sich in den letzten
Jahren als besonders gefährlich für manchen Segler gezeigt. Viele
Überfälle wurden verzeichnet - besonders in den östlichen Küstengebieten.
Es sind meist verarmte Fischer, die sich spontan zu Piratenüberfällen
zusammenfinden. Aber es sind auch Fälle bekannt, bei denen sich
selbst Beamte der Küstenwache zu Überfällen hinreißen ließen.
Offizielle aus Venezuela hegen den Verdacht, dass es meist inländische
Drogenhändler seien, die Yachten überfallen. In den nachstehenden
Gebieten sollte nicht allein geankert, tagsüber im Konvoi gesegelt
und Fischerbooten, die sich einer Yacht nähern, mit besonderer
Vorsicht begegnet werden: Zwischen der Insel Margarita und dem
Staat Sucre einschließlich Mochima und den Inseln vor Puerto La
Cruz; im Osten der Halbinseln Paria und Araya, bei der Mündung
des Pedernales im Delta Amacuro, dem Boca del Dragon; im Golfo
de Paria und den Golfo de Venezuela im kolumbianisch/venezolanischen
Grenzgebiet. Im Gegensatz dazu ist die Route nach Isla de Aves
und Los Roques sehr gut bewacht und sicher.
Trinidad
Gerade
in jüngster Zeit hat sich das einst sichere Trinidad als
nicht immer sicherer Liegeplatz erwiesen. Immer häufiger
wurden die Diebstähle von Dingis, Außenborder bis hin
zu Einbrüchen auf Yachten und zu Überfällen auf
Personen. Es wird dringend empfohlen, Dingis und Außenborder
anzuketten, besonders nachts Vorkehrungen zu machen, um Eindinglinge
an Bord fernzuhalten. Dies betrifft insbesonders das gesamte Gebiet
von Chaguaramas.
Kolumbien
Kolumbien ist besser als sein Ruf.
Allerdings muss man das mit Einschränkungen sagen. Die Situation
in der historischen Hafenstadt Cartagena ist in letzter Zeit sicher.
Allerdings hat sich gerade im September 2002 ein Überfall
auf drei US Yachten ereignet, ca. 50 sm NE von Cartagena. Anders
sieht es im östlichen Teil von Kolumbien aus, an der Westseite
des Golfs von Venezuela. Hier gibt es seit langem Grenzschwierigkeiten
und hier herrscht schon seit vielen Jahren für Yachten eine unsichere
Situation. Ebenfalls unsicher kann es im südlichen Teil des
Golf von Darien sein. Denn ein Großteil des Drogenschmuggels geht
über Panama, entweder über Land oder mit Schnellbooten entlang
der panamesischen Küste. Der
Teil des Golf von Darien, an dem Panama liegt - das Siedlungsgebiet
der Kuna Indianer - gilt weiterhin als sicher.
Nicaragua/Honduras
Beide Länder sind durch Naturkatastrophen
- wie Hurrikan Mitch und Erdbeben sowie durch politische Unstabilität
geschwächt. Hier herrscht z.T. große Armut und eine überdurchschnittliche
Gewaltbereitschaft. Das Gemisch aus beidem kann ein guter Nährboden
für Piraterie sein. Auch die Grenzschwierigkeiten zwischen den
beiden Ländern, die am internationalen Gerichtshof in Den Haag
verhandelt werden, tragen dazu bei, dass in diesem Grenzbereich
wenig Ordnungskräfte wie Militär und Polizei vorhanden sind. Auf
zwei vorgelagerten Inseln (Cayos), die zu Honduras gehören,
kam es zu Überfällen mit jeweils tötlichem Ausgang.
Guatemala
Guatemala besitzt nur ein kurzes
Küstengebiet an der Karibik. Dieses ist aber um so interessanter,
weil hier der Rio Dulce hineinfließt. Der Fluss, seine vielen
Nebenflüsse und die verschachtelten Seen bilden nicht nur ein
spektakuläres Panorama, sondern auch ein sicheres Hurrikanversteck
(hurricane hole). Mit dem Nachteil, dass dieser Ankerplatz in
den letzten Jahren unsicher wurde, weil Piraten hier ihr Unwesen
getrieben hatten. Dadurch zählte der Rio Dulce zu den besonders
gefährlichen Seegebieten. Höchste Aufmerksamkeit war geboten.
Offensichtlich hat sich die Situation in der letzten Zeit verbessert.
Yachten besuchen vermehrt diesen schönen Naturhafen. Die
Marinas sind gut bewacht. Es heißt, dass Drogenbosse an
einer "ruhigen Lage" im Rio Dulce interessiert seien.
Es scheint, sich beruhigt zu haben. Mein Tipp: Aktuelle Informationen
über Konsulate, Funk etc. anfragen.
Ecuador
Von der gesamten pazifischen Küste
Amerikas ist eigentlich z. Zt. nur der Hafen von Guayaquil gefährdet.
Auch hier muss ich eine Einschränkung machen: Ein sehr tragischer
Überfall ereignete sich vor dem Fischerort Sua bei Esmeraldas
auf einen persönlichen Freund. In Guayaquil, dem Haupthafen von
Ekuador gibt es Piraterie. Es wurde berichtet, dass hier Banden
sowohl Berufsschiffe als auch Yachten beraubten, während sie vor
Anker lagen.
Salomon Inseln
Die Solomon Inseln gelten als sicher,
wenn auch dort schon Diebstähle in Honiara vorgekommen sind.
Das war aber zu Zeiten der Unruhen im Jahr 2002.
Papua
Neuguinea
Hier
hat es schon Überfälle gegeben. Aber deshalb ein ganzes
Land zu einer Piratenzone zu verurteilen, ginge zu weit. Besonder
in PNG prallen fast steinzeitliche Strukturen mit der der westlichen
Zivisation aufeinander, was zu einigen wenigen Überfällen
geführt hat. Wie in vielen Drittländern gilt auch hier
die Regel: Vorsicht mit dem Alkohol. Das gilt für beide Seiten.
Südostasien
Grundsätzlich ist zu sagen,
asiatische Gewässer sind besser als ihr Ruf. Die Gewässer
der Inselstaaten Indonesien und Philippinen gehören genauso wie
das Chinesische Meer zu Regionen, in denen Piraterie seit Hunderten,
wenn nicht Tausenden von Jahren Tradition war. Es gibt Segler,
die segeln jahrelang in philippinischen Gewässern und haben nicht
einen Piraten gesehen. Auf den südlichen philippinschen Inseln
der Sulu-See kämpfen moslemische Tausang und Rebellen der Abu
Sayaf für eine moslemische Unabhängigkeit - hier ist Vorsicht
geboten.
Vier Yachten berichteten 2001 von meist indonesischen Fischern
im Seegebiet zwischen Australien und Cocos Keeling, belästigte
worden zu sein. Dieses geschah durch Kollisionskurse, nächtliche
Verfolgungen oder versuchtes Längseitsgehen.
Somalia - Horn von Afrika
Das Vorgehen der somalischen Piraten
lässt auf eine gute Organisation schließen. Wie bekannt, sind
die Somalier streng ihren Clans verbunden. Wie ein Staat im Staat
betreiben sie ihre eigenen Gesetze. Verschiedene Clans, die die
Hoheitsrechte für ihre Seegebiete beanspruchen, teilen sich die
Küste auf. In soldatischem Gehorsam fahren Clanmitglieder in kleinen
offenen Booten weit aufs Meer hinaus und suchen nach Beute. Diesen
Männern ist es meist egal, ob es sich um einen Frachter oder um
eine Yacht handelt. In ihren Booten sitzen zirka fünf bis sieben
schwer bewaffnete Männer, die paramilitärisch geschult sind. Den
Somalis geht es meist um Lösegeld für gekaperte Schiffe. Das Seegebiet
vor der somalischen Küste ist unbedingt zu meiden. Es empfiehlt
sich einen Sicherheitsabstand von zirka hundert Seemeilen einzuhalten.
Durch die neue internationale militärische Präsenz vor Somalias
Küste und die geplante Einbindung der Clanführer in die Antiterrorbekämpfung
kann die traditionelle Piraterie hier eventuell schnell aussterben.
Neueste Überfälle lassen jedoch daran zweifeln.
Jemen - Golf von Aden
Von historischer Tradition ist
das kriminelle Gewerbe der Piraterie im Jemen. Früher überfielen
jemenitische Piraten arabische Dhaus, später europäische Handelsschiffe,
heute Berufsschiffe und Yachten. Meist kommen sie mit bis zu drei
kleineren offenen Booten. Die Männer sind schwer bewaffnet, oft
mit Kalaschnikows. Da im Golf von Aden häufig leichte Winde wehen,
können diese offenen Boote weit aufs Meer hinausfahren. In jemenitischen
Gewässern fanden Überfälle bis zu 20 sm vor der Küste statt. Bei
höherem Seegang fahren diese Boote nicht aufs Meer. Den jemenitischen
Piraten geht es in erster Linie um Bargeld, Schmuck und Ausrüstungsgegenstände.
Sie rauben alles, was nach Wert aussieht. Die Organisation der
Überfälle beginnt meist schon an Land. Agenten, die den Yachties
Diesel und Lebensmittel besorgen, fragen sie schon im Oman aus,
wohin sie segeln wollen, wie viele Leute an Bord sein werden,
bis hin zur Frage, ob sie Waffen an Bord haben, solche kaufen
wollen.
In diesen Gewässern kommt es immer wieder vor, dass sich Boote
mit starken Außenbordmotoren nähern. Die Männer - sogar in Uniform
oder in Tarnanzügen - geben sich als Polizisten oder Offizielle
aus und verlangen Geld, genannt Bakschisch. Nach neuesten Berichten
soll es gegenüber älteren Informationen auf der Insel
Sokotra keine Piraten geben. Das Gefahrengebiet zieht sich vom
Golf von Aden durch die Meeresenge Bab-al-Mandeb bis zu den Hanish
Inseln im Roten Meer. Es
sollte unbedingt ein Abstand von 30 sm zur Küste eingehalten
werden.
Yachten informieren sich im voraus
in welchem Hafen sie einen sogenannten Konvoi bilden können,
um dieses Gewässer gemeinsam zu durchfahren.
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